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Mittwoch, 19. August 2009

A Soldier of Love


New York - Er war einer der größten Kinderstars in der Geschichte des Fernsehens - jetzt ist Barney der Dinosaurier im Alter von 833 Jahren am Montagmorgen (Ortszeit) in New York völlig überraschend tot aufgefunden worden. Ein Gerichtsmediziner bestätigte gegenüber dem US-Fernsehsender CNN den Tod des Plüschdinosauriers. Dies ist ein Nachruf.

Barney der Dinosaurier starb arm und verlassen. Seine Fans—mittlerweile meist selbst Mütter und Väter—werden ihn als glamourösen Exzentriker, als tragische Ikone ihrer Generation im Gedächtnis behalten. War sein Kampf für eine moderne mediale Erziehung umsonst? Mit seiner bahnbrechenden Nachmittagsshow Barney & Friends revolutionierte der lila Plüschgigant Anfang der 90er Jahre das Unterhaltungsfernsehen für Kinder. Seine pädagogische Methode, Vorschülern triviales Wissen durch Musik, Spiel und Tanz zu vermitteln, erschütterte die Fundamente traditioneller Schulsysteme weltweit.

Trotz des spektakulären Erfolgs der Serie, geriet ihr antiautoritärer Protagonist schnell in die Schusslinie kritischer Pädagogen und konservativer Politiker. Die Abwesenheit klassischer Lehrmethoden, wie der öffentlichen Drangsalierung als Bestrafung für Unwissen oder der unsystematischen Rohrstockschelte, sorgten bereits nach wenigen Folgen für überschäumende Debatten über den Niedergang der abendländischen Kultur. Wiederholten Todesdrohungen und Puppenverbrennungen zum Trotz, setze der bekennende Homosexuelle in der zweiten Staffel mit der Einführung neuer, noch weniger bedrohlich wirkender Plüschcharaktere seinen idealistischen Kreuzzug fort.

Seine Kuschelstrategie ging auf. In der heilen Bildschirmwelt des Tyrannosaurus Rex, tanzten er und andere blutrünstige Landwirbeltiere Hand-in-Hand mit Fünfjährigen, anstatt sich an ihren zuckend-enthaupteten Kinderkörpern vor laufender Kamera zu laben, wie es bis dato im Fernsehen üblich war. Der Schock bei Eltern und Lehrern saß tief. Viele fürchteten den Tod des voyeuristischen Gewaltfernsehens und die ungewollte Rückkehr der elterlichen Erziehungsverantwortung. Auf seiner missionarischen Barney‘s Imagination Island-Tour stand der vom Time Magazine 1996 als "flauschiger Messias" bezeichnete Saurier auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Niemand hätte ihn zu diesem Zeitpunkt stoppen können. Niemand, außer ihm selbst.

Im Mai 1997 verkündigte Barney auf einer Pressekonferenz Barney & Friends—trotz Rekordeinschaltquoten—zugunsten anderer, "künstlerisch anspruchsvollerer" Projekte einzustellen. Inspiriert von seinen ehemaligen Programmkollegen Bert and Ernie, suchte das Kinderidol Anschluss in der zunehmend populären "Gangsta-Rap"-Szene.



Doch auch teure Features mit Snoop Doggy Dogg und dem Wu-Tang Clan konnten dem nun unter dem Pseudonym "Notorious B." bekannten Barney kein neues Zielpublikum eröffnen.



Schnell fehlte es Barney an den Mitteln, um seinen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren. Zwischen seinen Auftritten, zog sich der sanfte Riese meist in seine monumentale Behausung zurück, eine künstlich geschaffene Biospähre im Herzen Floridas. Für das 17 Hektar umfassende prähistorische Reservat allein mussten über 200 Angestellte (15 von ihnen hochdekorierte Genforscher) in Lohn und Brot gehalten werden. Um schnell zu Geld zu kommen, ließ sich der zunehmend wunderlich erscheinende Koloss 2008 von den ehemaligen Produzenten seiner Show überreden, eine weitere Staffel zu drehen. Doch schnell wurde den anfangs begeisterten Zuschauern klar, wie schlecht es um ihren Helden in Wirklichkeit stand.

Von der Boulevardpresse nach Affären mit anderen prominenten Cartooncharakteren und hartnäckigen Kinderfressgerüchten geprügelt, tritt Barney—hier zu sehen in einer seiner letzten Folgen—nur noch mit Sonnenbrille und Kopfbedeckung vor die Kamera, um die offensichtlich gewordenen Zeichen des Verfalls zu verbergen. Ausgebrannt und abgemagert, wirken seine Bewegungen nervös, fast unbeholfen. Das einstig schillernde Idol einer ganzen Generation übersteht die Dreharbeiten nur mit Mühe. Mehrfach müssen Ärzte ihm hohe Dosen Schmerzmittel verabreichen. Auch seine heimliche Sucht nach Kinderfleisch war zu dem Zeitpunkt bereits kein Geheimnis mehr. Am Set folgten zwei Parkranger jedem von Barneys Schritten mit geladenen Betäubungsgewehren, um Übergriffe auf seine jungen Spielkammeraden zu verhindern.

Gestern wurde Barney im New Yorker West Village vor einer Grundschule tot aufgefunden. In New York State sind derzeit Sommerferien. Seine Familie wurde umgehend informiert, verweigert bislang jedoch jeden Kommentar. Über die genauen Umstände seines Ablebens kann zu diesem Zeitpunkt nur spekuliert werden. Ärzte halten Herzversagen für die wahrscheinlichste Todesursache. Zeit seines Lebens versuchte das warme Herz des großen Kaltblüters der Welt nur eines zu geben: Liebe. Doch selbst das laut Autopsiebericht 9 Kilogramm schwere Pumporgan in Barneys monströsem Leib, konnte gegen den noch älteren Hass und die noch gewaltigeren Vorurteile unserer Welt nicht ankommen. Aber wir, deine Fans, werden dich immer lieben Barney!

Donnerstag, 9. Juli 2009

Egalitarianism Polka


Manchmal frage ich mich ob diese Sicherheitsabfragen wirklich zufällig generiert werden oder ob nicht doch ein Praktikant in einem feuchten, miefigen Verließ im Silicon Valley sitzt und die Codeabfragen manuell eingibt. Das würde die versteckten Botschaften erklären. Ein Hilfeschrei... oder einfach der Versuch der Welt trotzig zu zeigen wie kreativ man selbst im miesesten Job sein kann?

Sonntag, 28. Juni 2009

Deep-fried Utopia

Ich habe vom Dessert der Götter gekostet. Amerikanisches Süßwerk trifft in einem kosmischen Spektakel auf britische Frittiertechnologie. Wie sonst könnte hochverdichtetes Nugat, zarte Vollmilchschokolade und dickflüssiges Karamell in Riegelform gepresst und in einen knusperfett-angereicherten Atomschlag gegen die Ernährungspyramide verwandelt werden?

Die heilige Dreifaltigkeit:

1. deep-fried Twinkie. Der verlängerte Finger Gottes. Der feine Twinkieteig ertränkt sich in Öl, nur um in Puderzucker und Preiselbeersoße seine Wiederauferstehung zu feiern.

2. deep-fried Snickers. Die Ode an die Freude unter den Desserts. Eine Hymne an die vollkommenste aller Nüsse (die Erdnuss), komponiert aus geschmolzenem Nugat und schokoladigen Wonnen.

3. deep-fried Bounty. Ein Urlaubsersatzriegel in sündhaft-knusprigem Friettiermantel. 5 Sterne Gaumenservice, einschließlich Schoko-Kokos Orige. Alles one-way.

Wenn Deep-frying offiziell den Status einer Religion zugesprochen bekommt, gehe ich unter die Fundamentalisten. Auf der Tischdecke sieht man übrigens Fotos aus Lady Dianas Leben. Rechts mit Pavarotti, darunter auf ihrer Beerdigung. Ob die beiden hier gespeist haben?

Mittwoch, 13. Mai 2009

Return to Thunder Mountain


Der Sommer hat auch sein gutes. Nachdem ich mich vermehrt über diese Jahreszeit entrüstet habe, muss ich zugeben, dass man viele Dinge am besten bei sonnigem Wetter macht. Rumballern, zum Beispiel. Zugegeben, der Staat New York stellt sich mit Schusswaffen etwas weinerlich an. Was würden wir da ohne den netten Nachbarn westlich des Hudson River tun? New Jersey, das Brandenburg der Ostküste, bietet das geladene und entsicherte Naturerlebnis für die ganze Familie.

Die Butterbrote sicher unterm Sitz verstaut, mache ich mich mit ein paar Bekannten auf den Weg über die George Washington Bridge hinein in die Freiheit. Die Stimmung ist gut, zwei meiner Mistreiter feiern mit diesem Ausflug ihren Geburtstag. Nach einer Stunde Fahrt signalisiert ein großesformatiges gelbes Schild das nahende Ziel. Normalerweise nehme ich nur ungern Abfahrten mit Namen wie "Thunder Mountain" (selbiges gilt für "Death Valley" und "Plains of Pain"), aber das Fadenkreuz in der oberen Ecke des Verkehrszeichens erweckt mein Vertrauen.

Angekommen im Besucherzentrum der weiträumigen Anlage, fühle ich mich gleich wie zuhause. Die Einrichtung versprüht rustikalen Berghüttencharme. Das Muttchen am anderen Ende der Theke fragt ob sie uns nicht ein paar Kekse und eine Tasse Kaffee bringen kann. Ich lehne höflich ab. Kekse habe ich auch zuhause. Mit warmem Lächeln will sie wissen welche Munition es denn sein soll. Ich frage ob der Laden auch die neuen Organschredderprojektile führt, von denen man so viel im Fernsehen hört. Leider nein, aber ich könne nächstes mal gerne meine eigene Munition mitbringen, solange ich keine internationalen Menschenrechtskonventionen verletze.

Im kaminbeheizten Warteraum vergehen die Minuten bis unser Instructor eintrifft. Ich schmökere in einer älteren Ausgabe von Ducks Unlimited. Ich erfahre, dass Pine Acre Labrador Retrievers zu den beliebtesten Jagdhunden gehören, weil sich schon die Welpen das meiste selbst beibringen und alles tun um ihr Herrchen zufriedenzustellen. Also ganz anders als mit den eigenen Kindern.

Für diesen Nachmittag begnügte ich mich damit auf bewegliche orangefarbene Scheiben zu schießen. Als mir beim ersten ungeschickten Feuerversuch der Rückstoß fast das Gebiss ausschlägt, muss ich mich fragen wie so viele Amerikaner den Sommer ohne Krankenversicherung überstehen. Zwischenfälle gab es aber sonst keine. Niemand hat dem anderen ins Gesicht geschossen. Das soll ja selbst bei erfahrenen Jägern öfters mal vorkommen. Ein rundum gelungener Sonntag also.

Freitag, 8. Mai 2009

Sympathy for Evil Spacemonsters (Star Trek XI)

Ich war gestern in der US-Premiere von Star Trek und wurde nicht enttäuscht. Amerikanische und deutsche Medien waren sich bereits einig: Zum ersten Mal konnte sich die USS Enterprise aus dem betäubenden Mief des Franchise herausmanövrieren. Zu sehen ist nicht weniger als eine grandiose, laut-polternde Kino-Revolution! In einer Zeit in der Filme von Alleinunterhaltern wie Michael Bay und Jerry Bruckheimer mit zerebralem Dünkel jeden Normalsterblichen gelangweilt aus dem Kinosessel rollen lassen, blieb J.J. Abrams der bildstürmerischen Linie der "Star Trek"-Schöpfer treu.

Abrams setzte sich zwischen alle Stühle indem er beliebte Pop-Motive wie die humanistische Mission, ethische Dilemmata und unorthodoxe soziale Rollenmuster opferte. Statt dessen riskierte er mit technisch brillanter Bildgewalt, schneller Action und heißen Kurven einen kommerziellen Fehlschlag. Aber ich denke sein Mut wird sich an der Kinokasse auszahlen. Er hat das Franchise zu seinen Wurzeln zurückgeführt: weiße Posterboys geben fiesen Spacelords ordentlich eins auf die Fresse.

Mittwoch, 6. Mai 2009

German vs. American Comdey: Proof me wrong...

Warum deutsche Comedy mehr Schlagfertigkeit braucht: John Stewart



Warum deutscher Comedy politisches Rückgrat fehlt: Bill Maher



Warum deutsche Comedy keinen Sprachwitz kennt: Chris Rock



Warum deutsche Comedy kein Selbstironie versteht: Woody Allen



Warum deutsche Comedy keine Persönlichkeiten hat: Stephen Colbert

Freitag, 17. April 2009

Truthiness at Last!


Jon Stewart und Stephen Colbert in einer Woche. Was soll jetzt noch kommen?

Bleibt nur die Frage nach dem direkten Vergleich: wer von beiden hat den längeren Schreibtisch? Beide Shows nehmen sich auf dem Bildschirm nicht viel. Beide Comedians sind fanatische, über-professionelle Perfektionisten. Während Colbert jedoch auch hinter der Kamera den Zuschauern einheizt und zu Späßen mit der Crew aufgelegt ist, könnte Stewart mit seiner Mimik mühelos ein Pokergame gewinnen.

Jon besticht durch ironische Distanz und kritischen Biss. Colbert möchte man am liebsten mit nach hause nehmen. Zum ersten Mal wurde mir wirklich bewusst warum Mr. Handsome fast jede Show gegen Homosexuelle wettern muss ("number one threat to the country").

Außerdem sollte Stewart endlich aus seinem linksliberalen Dornröschenschlaf erwachen. The storm is coming...

The Colbert ReportMon - Thurs 11:30pm / 10:30c
The Colbert Coalition's Anti-Gay Marriage Ad
colbertnation.com

Der Rest (man achte auf suspekte Gestalten im Publikum).

Mittwoch, 15. April 2009

Moment of Zen

Da schaffe ich es schon mal in Jon Stewarts Stube - und wer schaut vorbei? Ein kontroverser Polit-Schaumschläger oder B-Promi (Ben Affleck kommt übermorgen)? Nein. Ron Darling, Ex-Spieler der New York Mets, tronte stoisch auf dem Bürostuhl auf der anderen Seite des Interview-Tisches. Nebenbei hat er etwas von Baseball erzählt. Dabei müsste er zuhause sitzen und schmollen. Das erste Spiel im neuen Stadion: gnadenlos vergeigt. Wieso muss mir das immer passieren? Aber bin versöhnlich gestimmt. Wer kann diesem Gesicht schon etwas übel nehmen?

The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Road to the Doghouse - Bo Obama
thedailyshow.com

Der Rest.

Samstag, 14. März 2009

Archäologie des Nichtstuns

Ich habe beim Googeln nach Praktikumsstellen zufällig einen (schon etwas älteren) Beitrag in einem Deutschen Soziologie-Forum gefunden.

Bianca, eine junge Studentin, stellt die berechtigte Frage: Sind Soziologen faule Säcke? Sie schreibt verwundert über die Beobachtungen die sie an ihrer Hochschule gemacht hat:

Also bei uns an der Uni fangen alle Soziologie-Veranstaltungen frühestens 10 Uhr an, meistens aber erst 12 oder 14 Uhr. Außerdem ist Freitags grundsätzlich nichts.
Was?! Das ist ja unerhört! Es gibt schon Veranstaltungen die vor 14 Uhr anfangen? Das werde ich umgehend der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) melden. Wozu hat die Deutsche Gewerkschaft der Soziologen 1968 mühsam die Bevölkerung überzeugen müssen mit den faschistischen Vorlesungszeiten der Vergangenheit zu brechen und endlich den Traum von der ganzheitlichen Menschwerdung zu Träumen (im Bett, versteht sich)? Übrigens, meine Liebe, du solltest besser recherchieren. Nicht nur Freitags, sondern auch Montags ist an den meisten Instituten "grundsätzlich nichts".
Und dann muß man pro Semester nur ca. 3 Scheine machen - was oft nur eine Klausur oder ein Referat (ganz selten auch Hausarbeit) bedeutet.
So weit kommt's noch! Ich kenne Leute die haben seit 2 Semestern keine Scheine gemacht (zumindest im Magister). Das nennt sich "kreative Selbstentfaltung". Wenn am so genannten "Ende des Studiums"--statistisch betrachtet im 14. Semester--noch Scheine fehlen werden einfach Hausarbeiten zu irgendwelchen Veranstaltungen die man vor 3 Jahren nicht besucht hat "nachgereicht". Anwesenheit zu prüfen würde bei einer Betreuungsrelation von 1:800 allein schon das durchschnittliche Deutsche Soziologie-Institut zu 150% überlasten. Von der "Korrektur" der Arbeiten (alle im "Seminar" bekommen eine 1.0) ganz zu schweigen.
In den Semesterferien sind am Anfang noch zwei Prüfungen und dann hat man frei.
Was denn für Prüfungen? Da muss ich Rücksprache halten.
So geht man dann ganz locker durchs Studium. [meine Hervorhebung]
Hmm... von der Seite habe ich das noch gar nicht gesehen. Ich dachte den Weg des geringsten Widerstandes zu finden sei die Herausforderung am Studium.
Wenn ich mir da die Mediziner oder Juristen angucke, die ackern Mo-Fr 8-18 Uhr, in den Semesterferien müssen die wie die bekloppten lernen.
Deswegen würde ich bei mir niemals einen Soziologen eine Operation am offenen Herzen durchführen lassen oder bei meinem nächsten Flug nach Deutschland im Cockpit sitzen lassen.
Kann es sein, dass das Soziologie-Studium zu lasch ist?
Öhmm... Wenn du so fragst... nun... das klingt fast als wäre das was Schlechtes! Im Grunde hast du natürlich recht. Aber als guter Soziologe argumentiere ich des interdisziplinären Austauschs willen gerne gegen das Offensichtliche an.

Liebe Bianca,

1. Eine kleine Anmerkung zu deinem Beitrag: Im Soziologiestudium lernt man der deutschen Sprache Herr zu werden, was dem Diplomsoziologen nach langer und schmerzhafter Ausbildungszeit Überschriften wie "Soziologen faule Säche" erspart. Sicher, Rechtschreibung korrigiert Word fast automatisch. Prädikate sollte man für seine Sätze allerdings schon selbst finden.

2. Im Soziolgiestudium lernt man empirische Daten zu sammeln bevor man zur Schlussfolgerung schreitet. Mit anderen Worten, der Sozilologe sollte mit zumindest einer betroffenen Person gesprochen haben bevor er oder sie Theorien aufstellt. Es soll auch Befragungen mit größerer Fallzahl geben, aber dafür braucht man Statistik. In jedem Fall erspart dieses Vorgehen unzulängliche Vergleiche mit Studiengängen die nicht pro Woche 3-5 theoretische Klassiker im Volltext studieren müssen.

3. Anders als bei Medizinern qualifiziert ein Diplom in Soziologie bestenfalls zum Schreiben ausgefeilter ALG II-Anträge und muss daher durch den Erwerb diverser Zusatzqualifikationen ergänzt werden. Im Grunde zählen in den Sozialwissenschaften nicht das Papier auf dem das Diplom gedruckt ist oder welche Noten drauf stehen, sondern was der Absolvent an kulturellem und sozialem Kapital angesammelt hat. Davon ist in miefigen Vorlesungssälen "Mo-Fr" zwischen "8-18 Uhr" gemeinhin recht wenig zu finden.

Im übrigen kommen eh nur knapp 20% der Studierenden bis zum Abschluss. Die meisten anderen entscheiden sich dann doch für Jura oder BWL.

Donnerstag, 12. März 2009

Lieber Winter,

Noch vor wenigen Tagen hast du uns fest im Griff gehabt. Den Montag durften wir uns noch die Bettdecke mit spätem Frühstück bekleckern und Nachmittags kleine Kinder mit Schnee einseifen. So viele Wonnen hast du uns dieses Jahr gebracht, doch nun ... nun bist du fort.

Wie konntest du nur! Wie sollen wir den Rest des Jahres nur ohne dich überstehen?

Wo sollen Hunde jetzt in der Betonwüste New Yorks ihre Notdurft verrichten?


Wie soll Unterwäsche richtig weiß werden, wenn nicht im Schneesturm?


Wo sollen junge Menschen ihre Stimme erheben? Im Internet etwa?


Bald wird die Möwe von Millionen sonnenanbetenden Strandsüchtigen aus ihrem natürlichen Lebensraum auf Coney Island vertrieben werden.


Die aktuelle Wintermode wird plötzlich verdächtig...

Lieber Winter, versprich dass du wieder kommst!

Freitag, 13. Februar 2009

Das Internet: millionen Fragen - eine Antwort?

Hast du schon gehört? Das Internet gibt es jetzt auch für Computer!
Was hat es mit diesem Internet nur auf sich? Klar scheint zu sein: Das Internet macht alles anders als es vorher anders war. Weniger klar: Was springt für uns dabei raus? Um dieser Frage nachzugehen müssen wir zuallererst verstehen wie das Internet funktioniert. Ich habe für die täglich hinzuströmenden unbefleckten 300.000 Neunutzer ein kleines Q&A mit allem Wissenswerten über das "World Wide Web" zusammengestellt:

1. Macht mich das Internet dumm?

Neuste Forschung hat ergeben: Ja!
[Anm.d.A.: Ich habe mich entschlossen alles weitere in Kurzfilmform anzufügen]

2. Jeder hat es! Wie kann ich dazugehören?



3. Was ist Web Zweikommanull?



4. Aber was bringt mir das nun?



Wie sich die Zeiten ändern. In den späten 80ern nehmen Kritiker an das Internet sei nur geeignet für Kommunikation unter Wissenschaftlern und Militärs. Es werde sich auf dem Markt nicht durchsetzen können. Die exponentielle Verbreitung von Internetanschlüssen widerlegt sie nur wenige Jahre später. Ihre Nachfolger Mitte der 90er argumentieren das Internet sei nichts weiter als das übliche Hin- und Herschieben von Informationen. DSL und Internetpornographie widerlegen sie nur wenige Jahre später.

Heute wird behauptet das Internet sei eine gigantische Maschine, deren einzige Funktion darin bestehe Pornographie jeder nur erdenklichen Art sekundenschnell üben den gesamten Erdball zu verbreiten. Nun, ähm... ich bin gespannt ob wir bald schlauer sein werden.

Montag, 9. Februar 2009

No Pants Subway Ride



Ja, ich war da. Aber in Hosen. Ich weiß auch nicht ob damals wirklich No Pants Day war oder Greenwich Village Anwohner nur den um diese Jahreszeit (Winter) üblichen Exhibitionismus zur Schau gestellt hatten.

Insgesamt ist die Sache sehr unterstützenswert. Jung und alt kämpfen gemeinsam gegen die perfide Hosen-Mafia (ein Kartell aus Levis, Wrangler und Lee). Die machen neuerdings nicht einmal Tieren halt. Unsere freie Entfaltung als Menschen steht auf dem Spiel!

Donnerstag, 5. Februar 2009

Human Amusements at Hourly Rates


Ich weiß was sich einige konsumkritische Zeitgenossen jetzt denken werden. In Wahrheit ist der amerikanische Shopping-Eklektizismus aber ein wahrer Segen. Ich muss nicht mehr zu drei verschiedenen Regalen oder gar in drei verschiedene Läden rennen um mir die besten Halloween-Schocker, die Mozart Sammlerbox und die Greatest Hits der 80s zuzulegen. Ich habe mir natürlich gleich alle drei einpacken lassen.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Social Science Live in Concert (Vol. I)

Nach fünf Jahren an der Uni entwickelt man ein eigenartiges Verhältnis zu den Koryphäen seines Faches. Im ersten Semester habe ich noch die Stirn gerunzelt. Im Hauptstudium habe ich ihre Texte rauf- und runter gelesen. Jetzt, am Ende der akademischen Grundausbildung, geht es darum diese Menschen live vor Publikum zu erleben.

Dabei gibt es verschiedene Typen von Live-Intellektuellen. Viele wiederholen auf der Bühne nur das was in ihren Texten ohnehin schon zu lesen ist. Sie bringen gerne die Themen mit denen sie berühmt geworden sind und man freut sich im Nachhinein einfach mal dabei gewesen zu sein. Ein anderes Kaliber haben dann schon jene die erst vor Publikum richtig aufblühen. Sie wissen meist selbst nicht worüber sie offiziell reden sollen und nehmen statt dessen den Zuschauer mit auf einen Trip durch das was sie sich im Flugzeug nach 3 Gläsern Cognac herbeifabuliert haben.

Über die Gunst des Publikums entscheidet jedoch Style. Für manche vielleicht auch Inhalt, aber den kann man sich besser zuhause nochmal durchlesen. Dabei hat jede(r) Hörsaalfüller(in) seine eigene Art der Performance entwickelt:

Judith Butler
(Style: Progrock)

Butler genießt man am besten bei einem Glas Wein, oder auch zwei, denn verstehen wird man eh nur einen Bruchteil des Gesagten. Um bei der detailierten Auswertung der Show im Nachhinein mitreden zu können sollte man die aktuellen Veröffentlichungen und die dazu verfügbaren Reviews gelesen haben. Ansonsten stimmt alles. Selbst die zehnminütigen epistemologischen Soli im 7/5 Takt intoniert Butler perfekt, allerdings läuft auch alles nach Skript. Wenn man nicht die vielen subtil eingestreuten Zitate bemerkt ist die Performance nur halb so mitreißend.

Richard Sennett (Style: Indie)

Als Brite besteigt Sennett die Bühne direkt vom Arbeitszimmer. Proben ist nicht. An die Hälfte seiner Texte kann er sich zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr erinnern, aber dafür gibt es zwischendurch sympathische Anekdoten aus seinem Leben zu hören. Alles ist LoFi - nüchtern aber gemütlich. Seine Notizen hat Sennett auf der Rückseite des Mensa-Speiseplans geschrieben, auch wenn er sie gar nicht braucht. Der Vortrag wirkt etwas unstrukturiert, driftet für gut eine halbe Stunde vom Thema ab. Dafür sind die Argumente eingängig und man fühlt sich nicht schlecht wenn man den Saal verlässt.

Slavoj Žižek
(Style: Metal)

Žižeks Liveauftritte reißen den Zuhörer in eine anarchischen Strudel bis er oder sie auf dem Grund der abendländischen Kultur aufschlägt. Zu hören gibt es martialisches Gefrickel in schwindelerregendem Tempo. Leider versteht man nur die Hälfte, weil der Sound so schlecht ist. Die Shows sind laut, muffig und rau. Wärend der Fragerunde kann man sich blaue Flecken zuziehen. Sechs Stunden später wacht man unter Schmerzen auf der Treppe nach draußen wieder auf. Die Kleidung riecht nach Bier und Erbrochenem. Der Kopf schmerzt und man kann sich an nichts mehr erinnern.

Mal sehen was Bruno Latour am Donnerstag zu bieten hat.