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Donnerstag, 13. August 2009

Wenn Männer weinen


Es ist der älteste Trick der Welt: Männer reagieren kurzschlussartig auf sexuelle Reize--seit knapp 150 Jahren auch in Schriftform. Ähnlich wie bei hungrigen Bären auf Würstchensuche, spielt der Kontext keine Rolle. Das wird von organisierten Autoantennenräubern schamlos ausgenutzt. Kaum befindet sich das Fahrzeug mit dem gierig umherblickenden Fahrer auf dem Hinterhof des verfallenen Mordhauses am Stadtrand, machen die Handlanger der slowenischen Antennenmafia kurzen Prozess mit dem silber-glänzenden Wedel. Vor den Augen und bei vollem Bewusstsein ihres Besitzers, wird die lange Aluminiumstange mit wahlweise einer Kneifzange oder Säge in Sekundenschnelle abgetrennt. Die verzweifelten Schmerzensschreie des Fahrers bleiben ungehört.

Schätzungsweise 30.000 Männer fallen jährlich dem organisierten Antennenraub zum Opfer. Die meisten sind für den Rest ihres Lebens traumatisiert. Das tägliche Leben wird zur Qual. Viele Fahrer berichten nächtelang in ihrem Auto wach gesessen und in Tränen am Rädchen ihres Radioempfängers gedreht zu haben. Andere haben aus Scham ihr Fahrzeug verkauft und in Südostasien versucht ein neues Leben anzufangen. Doch den Schatten ihrer Vergangenheit konnten die wenigsten entkommen. Erst in den letzten Jahren wurde das unsägliche Leid der Geschädigten als Post-Antennales Stress Syndrom (P.A.S.S.) der Öffentlichkeit bekannt. Doch trotz moderner Therapieformen bleiben die Narben der Demütigung tief in den Seelen der Opfer zurück.

Das Bundeskriminalamt hat wiederholt versucht in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden in Slowenien den Drahtziehern der internationalen Antennenmafia auf die Spur kommen. Wo die über einhundertausend als gestohlen gemeldeten Antennen abgesetzt wurden, bleibt der Polizei aber bis heute ein Rätsel. Die Ermittler vermuten die Antennen seien eingeschmolzen und an die chinesische Stahlmafia weiterverkauft worden. Andere behaupten die Stangen seien im Besitz wohlhabender Südländer gelandet. Die Wahrheit werden wir womöglich nie erfahren.

Sonntag, 7. Juni 2009

Happy Faces for Happy People

Stadtrat Dresden? Da fällt die Wahl nicht schwer. Schließlich geht es um Vertrauen und Kompetenz -- um Persönlichkeiten, denen man nicht nur einen Gebrauchtwagen abkaufen würde, sondern die Geschicke der Stadt anvertrauen kann. Hier sind sie also, die Gesichter der Demokratie: Werner Succolowsky und Peter Berauer (ist sogar auf Facebook).

Der eine steht für soziale Sicherheit (auch in Ostpreußen), der andere überzeugt mit reiner Sympathie. Klevere Strategie der DSU auf "Personalisierung des Wahlkampfes" zu setzen, wenn man zwei so glamouröse Zugpferde im eigenen Stall stehen hat. Da müssen sich die etablierten Parteien erstmal vor die Tür trauen, mit ihren schmucklosen Jugendlichen, Frauen und Türken.

Wäre ich momentan in meinem alten Bezirk wahlberechtigt, meine Entscheidung stünde fest. Beide erinnern mich irgendwie an meinen früheren Nachbarn, den netten Herr Kernert aus dem ersten Stock. Gelegentlich lauerte er mir am Briefkasten auf, nur um "hallo" zu sagen (ich kann mir nicht vorstellen, dass ein 78 Jähriger tatsächlich immer um die selbe Zeit wie ich Post holt). Ich erinnere mich noch an eine unserer Plaudereien als wäre es gestern gewesen: "Na, wieder diese Schmutzhefte im Briefkasten?", höre ich es hinter mir schnaufen, noch bevor ich meine Einkaufstüten aufheben kann. "Nein Herr Kernert, lassen sie sich von dem Titelbild nicht täuschen. Das ist nur der SPIEGEL. Die müssen schließlich auch Geld verdienen." Meistens gelang es Herr Kernert mich innerhalb der nächsten 30 Sekunden in ausufernde Gespräche über Zeiten zu verwickeln, die selbst er unmöglich bewusst miterlebt haben kann.

Gerade in den Wochen vor der Stadtratswahl waren die Themen klar festgelegt. Seine Meinung auch. Er fände es nicht richtig, dass wir immernoch so viel Geld an "die Neger" zahlten. Schließlich habe man zur Kolonialzeit bereits genug Gutes "da unten" getan. Vielleicht hätte ich ihm besser sagen sollen, dass sächsische Kommunen keine Entwicklungshilfe leisten. Aber seiner Entrüstung hätte das ohnehin keinen Abbruch getan. "Da bringt man den Wilden Kultur und Technik - und was ist der Dank dafür?" Ich nicke verlegen, aus Mitleid. Herr Kernerts Gesicht strahlt. "Es wäre ja später noch was mit denen und den anderen da geworden." Natürlich nur, wenn Hitler nicht den Zweifrontenkrieg riskiert hätte. "Ich habe schon immer gesagt das war ein Fehler gewesen. Genau wie das mit den Juden!", brabbelt er in seinen Schnauzer. Man hätte letztere ja auch einfach "dahin abschieben können wo sie hergekommen sind".

Zu diesem Zeitpunkt beginnen Tiefkühlpizza und Chicken Wings in den Einkaufstüten zu tropfen. Da klopft mir Herr Kernert kameradschaftlich auf die Schulter. "Sie sind in Ordnung! Anständig. Nicht wie diese linken Chaoten." Ich danke meinem Nachbarn für die warmen Worte und verabschiede mich. "Am Sonntag DSU wählen!", höre ich seine Stimme noch hinter mir im Treppenhaus hallen. Was für ein netter Herr. Vielleicht hätte ich ihn bitten sollen im Sommer meine Blumen zu gießen und die Post reinzubringen. Ich denke ihm kann man vertrauen. Gefreut hätte er sich bestimmt auch.

Mein Dank für die Fotos geht an h-master! Ich hoffe einige der Plakate werden noch hängen, wenn ich wieder da bin.