Langsam kommt bei mir der Gedanke an bald wieder in Deutschland zu leben. Im Schlepptau befinden sich Angst und Unsicherheit. Sozialistisches Utopia hin oder her – werde ich ohne die lieb gewonnen kulturellen Institutionen der Staaten wirklich frohen Mutes meinem Tagewerk nachgehen können? Was wird aus ethnischer Vielfalt, Optimismus und Deep-fried Twinkies? Noch gravierender: was wird aus meinem Wohlbefinden ohne regelmäßige Dosis sozialkritischer Comedy?
Man kann über das US-Fernsehen sagen was man will, aber wenn ich (Achtung, Rhetorik!) abends den Fernseher einschalte, kann ich mir sicher sein auf einem der 475 Kabelsender die an unserer WG anliegen ein Gesicht zu finden das mir erklärt wie die Welt in Zeiten von Finanzkollaps, Folter und Killerviren wirklich ist: witzig. Stephen Colbert, John Stewart, Bill Maher, Conan O’Brien und (unfreiwillig) Bill O’Reilly ersetzen gerne mal die Abendnachrichten, weil sie es verstehen absurd aber clever das Zeitgeschehen einzufangen. Wen haben wir auf der anderen Seite des Atlantiks? Das witzigste Gesicht im deutschen Fernsehen ist das von Horst Köhler, der seinen Beruf leider knapp verfehlt hat.
Bevor ich Deutschland für die letzten zwei Jahre den Rücken kehrte, tendierte mein Interesse für TV-Comedy gegen Null. Meiner damaligen Erfahrung nach gab es durchaus Dinge die überzeugend und nachhaltig komisch waren: sächselnde End-30er auf viel zu großen Bühnen in nicht altersgerechtem Schuhwerk gehörten nicht dazu. Stand-Up Shows und Late Night Television haben mir gezeigt, dass Menschen die witzig sein wollen es auch können—nur nicht in Deutschland. Diese Kritik auch an anderer Stelle zum Mantra geworden. Aber so leicht wollte ich nicht aufgeben. Ich habe in den letzten Tagen mittels der Nominierungslisten des Deutschen Comedy Preises—vermutlich das who-is-who der mittlerweile früh-40er im Komödienstadl—mein Gedächtnis wieder etwas aufgefrischt.
Ein Fehler, wie sich herausstellte. Seit dem sein Hauptbrennstoff—Geschlechterwitze—verbraucht ist, schrumpft Mario Barth, einst der helle Riese am Deutschen Comedy-Himmel, zu einem weißen Zwerg zusammen. Rüdiger Hoffman versenkt ab und zu einen Lacher, nur leider mit einer Dichte von Eins pro Stunde. Olaf Schubert beweist, dass am liebsten immer noch aus obszönem Mitleid gelacht wird. Michael Mittermeier würde mit seiner dümmlich-drolligen Art nerven, selbst wenn man ihn nur beim Bäcker träfe. Michael Bully Herbig versteht es sich zu inszenieren, kann aber nur schwer seine mangelnde Beobachtungsgabe wettmachen. Bei Hella von Sinnen, Anke Engelke und Atze Schröder sind die Namen der witzigste Teil der Show. Dieter Nuhr, der hartnäckige Hoffnungsträger des Landes, macht aus seinem Abitur zwar kein Geheimnis, hinterlässt mit seiner austauschbaren Bühnenpersona und dem Charme eines ernüchterten Gymnasiallehrers leider trotzdem keinen bleibenden Eindruck.
Das Kriterium „sozialkritisch“ habe bei dieser Aufzählung gar nicht erst angewendet, denn sonst hätte ich mir die Gegenüberstellung gleich ganz sparen können. Was soll man da noch sagen? Richtig. All jenen die mir bis hierhin gefolgt sind, kann ich nur raten bei Bedarf ihr Sprachkulturlexikon rauszukramen und sich mit mir an Klassikern wie Chris Rock, Woody Allen, George Carlin, Jerry Seinfeld, David Letterman, Richard Pryor sowie den oben genannten Frontläufern zu erfreuen. Reicht ja auch.