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Samstag, 15. August 2009

Authentischer Natururlaub in Brandenburg


Einige würden sagen, die Tourismusbranche in Brandenburg sei verzweifelt. Aber die haben keine Ahnung was den urban-isolierten Großstadtpopulationen Deutschlands einen Besuch wert ist. Nach "Zelten im Wald" und "Urlaub auf dem Bauernhof", gibt es nun eine Reihe neuer authentischer und ökologisch nachhaltiger Erlebnisangebote. So bekommen die eigenen Kinder zwischen Metal Gear Solid 4 und Flatrate-Puffs zu sehen, welche Schätze Mutter Natur noch auf Lager hat. Davon gibt es in Brandenburg vielleicht weniger als anderswo, aber zumindest die Ausschilderung bleibt unübertroffen.

Sonntag, 2. August 2009

2 p.m. wake up call


Eigentlich wollte ich mir eine kleine Sommerpause gönnen, aber die Welt dreht sich einfach zu schnell weiter. Da kommt selbst BILD mit den brisanten Eilmeldungen nicht hinterher. Wie soll ich dann erst all die sensationellen Trivialfunde nachliefern, die sich mir in den vergangenen Monaten des täglichen Kulturkampfes aufgetan haben? Die Antwort lautet: gar nicht. Oder irgendwann, vielleicht, aber nicht zu ihrer Zeit.

Linearität ist was für Till Schweiger Fans. Seit neustem wissen wir, man kann mit dem Fallschirm noch ein Jahr nachdem das Flugzeug abgestürzt und abgebrannt ist aus dem Cockpit abspringen. Zumindest geht das in der Finanzwelt. Ergo: von AIG lernen, heißt siegen lernen. Daher werde ich demnächst mal in New York, mal in Berlin, mal in Dresden, mal in St. Petersburg und mal vor einem Untersuchungsausschuss zu finden sein. Manches davon wird schon vorbei oder noch nicht passiert sein. Oder niemals passieren. So it goes.

Freitag, 8. Mai 2009

Sympathy for Evil Spacemonsters (Star Trek XI)

Ich war gestern in der US-Premiere von Star Trek und wurde nicht enttäuscht. Amerikanische und deutsche Medien waren sich bereits einig: Zum ersten Mal konnte sich die USS Enterprise aus dem betäubenden Mief des Franchise herausmanövrieren. Zu sehen ist nicht weniger als eine grandiose, laut-polternde Kino-Revolution! In einer Zeit in der Filme von Alleinunterhaltern wie Michael Bay und Jerry Bruckheimer mit zerebralem Dünkel jeden Normalsterblichen gelangweilt aus dem Kinosessel rollen lassen, blieb J.J. Abrams der bildstürmerischen Linie der "Star Trek"-Schöpfer treu.

Abrams setzte sich zwischen alle Stühle indem er beliebte Pop-Motive wie die humanistische Mission, ethische Dilemmata und unorthodoxe soziale Rollenmuster opferte. Statt dessen riskierte er mit technisch brillanter Bildgewalt, schneller Action und heißen Kurven einen kommerziellen Fehlschlag. Aber ich denke sein Mut wird sich an der Kinokasse auszahlen. Er hat das Franchise zu seinen Wurzeln zurückgeführt: weiße Posterboys geben fiesen Spacelords ordentlich eins auf die Fresse.

Mittwoch, 29. April 2009

Erlebnisgesellschaft Revisited


Sommer 2009: Nachtrag. Der Asphalt dampft, der Himmel strahlt tiefblau--dazwischen spähen abgemagerte Geier ihre Beute aus. 475 Fernsehkanäle--auf 213 laufen Wiederholungen der ersten Buffy Staffel, die anderen gehören Scientology. Bezahlt von verzweifelten Abteilungsleitern, ziehen Flugzeuge dicht an den Scheiben der gläsernen Büropaläste vorbei, um den vor sich hinsiechenden Mitarbeitern dahinter für wenige Minuten Leben einzuhauchen.

Der spaßigste Ort der Stadt ist zu dieser Zeit--ganz recht--das neu-eröffnete Coney Island Playland! Für lächerliche $20 für Erwachsene / $15 für Kinder können sich alle jene die sich die Flucht aus der Stadt (vorzugsweise nach Disney Land) nicht leisten konnten, nach Herzenslust im kinderfreundlichen Naturreservat direkt vor der Haustür austoben. Drei preisgekrönte Landschaftsarchitekten haben nach Jahren pedantischer Planung ein Fleckchen Coney Island naturgetreu mit Hilfe verloren geglaubter Dokumente der ersten Siedler rekonstruiert. Nachgestellt wurde jener Landschaftstyp der vor Errichtung der Stadt die gesamte südliche Hälfte Brooklyns auszeichnete: die Schlammwüste.

Damit steht die neue Hauptattraktion des legendären Freizeitparks. Bürgermeister Bloomberg erklärte letzten Dienstag stolz in der New York Times: "Kaum zu glauben welch kleines Wunder das Architektenteam Kraft seiner Vorstellungskraft und rund $50 Millionen US-Dollar in nur vier Jahren realisiert hat." Der republikanische Milliardär fügte an: "Ich denke wir haben es mit diesem eindrucksvollen Beispiel Amerikanischen Fortschritts all jenen gezeigt, die gegen den Abriss des Coney Island Sozialbauprojektes waren oder ideologisch blind den baubedingten Kollaps des Abflusssystems vorhergesehen hatten."

Dienstag, 21. April 2009

An Invitation to Dead Sociology

Das macht man also wenn man tot ist. Twittern. Pierre Bourdieu hat beispielsweise vor 7 Minuten getweeted:
Details about the late Norbert Elias's international untied-shoelace experiments were difficult to track down
Wer kennt das nicht.

Montag, 20. April 2009

Doggy Bag

Hunde, einst zähnefletschende Raubtiere, haben sich dem modernen Leben ihrer Domestizierer angepasst. Ihr Lebensraum: die Handtasche wohlparfümierter fashion-victims. Doch nun sehen sich die mittlerweile bis zur evolutionären Unkenntlichkeit gestraften Tiere mit einem neuen Eindringling konfrontiert: der Hund-gewordenen Handtasche.
Tierschützer befürchten, dass die aus Bangladesh eingeführte Spezies verheerende Auswirkungen auf die lokale Handtaschenhunde-Population haben könnte. Eine seltene Mutation (Reißverschluss auf der Rückenseite und Mangel an inneren Organen) hat die tragbaren Lebensbegleiter auf die Alltagserfordernisse ihrer Besitzer perfekt abgestimmt. Die weniger angepassten "konventionellen Hunde" werden, so vermuten Umweltexperten, bereits in wenigen Jahren aus ihrem Marktsegment Lebensraum verdrängt worden sein.

Die einzige Hoffnung gemeiner Kreaturen wie dem Mops oder Chihuahua besteht in der Ausbreitung in andere Umweltnischen oder der Symbiose mit den zuweilen etwas leblos wirkenden Artverwandten. Postings bisheriger Sichtungen sind erwünscht.

Dienstag, 31. März 2009

Sacrilicious

Irgendwas an diesem Schaufenster erregte meinen Verdacht. Leider bin ich der polnischen Sprache nicht mächtig, aber es gibt ja nur eine beschränkte Anzahl an Erklärungsmöglichkeiten was Papst Johannes Paul II. mit dem Slogan "Hot Food to Go!" verbindet.

Einge Theorien:

1. Der Papst hat hier vor seinem Tod des öfteren diniert und diesem kulinarischen Himmel auf Erden seinen Segen erteilt. --- Sehr unwahrscheinlich. Nicht nur hat hier der Kaffee geschmeckt wie aufgekochte Blumenerde, die Preise für diese Nachbarschaft waren auch viel zu hoch und überhaupt hat der Papst sicher sein eigenes "Deli" Bistro im Schlafzimmer. Wenn Tommy Lee sein eigenes Starbucks im Haus hat, dann hat der Papst seinen eigenen Deli.

2. Das Essen hier wird vom Papst serviert/gesegnet und ist deswegen immer heiß und besonders schmackhaft. --- Auch sehr unwahrscheinlich. Johannes Paul II ist doch schon längst tot! Das wäre den Anwohnern doch aufgefallen, wenn im Schaufenster mit etwas geworben werden würde das gar nicht stimmt. Vor allem weil hier doch so viele polnische Einwanderer leben. Nein, nein, es muss etwas anderes sein.

3. Der heilige Leib des Papstes selbst wird hier zum Verzehr angeboten. --- Das muss es sein! Nicht nur ist der Papst verstorben und daher nicht mehr in der Lage sich selbst zu verteidigen. Vielmehr heißt es auch in der Bibel "das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (O-Ton Jesus), neben "schmecke deinen Nächsten". Was für ein skandalöser Fund! Und niemand außer mir hat es bemerkt. Johannes Paul II. war ein Papst des Volkes. Es wird den Vatikan nicht sonderlich erfreuen zu sehen wie eine kleine polnische Gemeinde in Ridgewood, NY sein delikates Andenken für sich allein beansprucht!

Freitag, 20. März 2009

A Perfect Day To Chase Tornados

Der moderne Mensch--mit seinem Lebensraum zwischen klimatisiertem Einfamilienhaus, klimatisiertem Auto, klimatisiertem Bürogebäude und klimatisiertem Department Store--mag nur noch selten den Kontakt mit der so genannten "Natur" pflegen. Sie meldet sich ja auch nur wenn sie was will.

Allerdings bedeutet dieses Dasein nicht Isolation vom anmutigen Spiel der Naturkräfte. Im Gegenteil, die Wirtschaft selbst ist längst so weit zu wissen was draußen als nächstes passiert, vielleicht sogar bevor die Natur es selbst weiß. Der "umweltbewusste" Unternehmer von heute hat sich auf die wechselnden Gegebenheiten eingestellt und gut daran verdient.

Von dieser prophetischen Macht profitiert die ganze Menschheit. Ich weiß dass es regnen wird, wenn vor meiner Haustür Regenschirme verkauft werden. Je nach Preis kann ich ablesen wie stark der Regen sein wird. Wenn die großen 20 Liter Wassertanks und survival-sized Dosen Mais im Eingangsbereich meines Supermarktes stehen, ist es Zeit die Wäsche reinzuholen. Ähnlich verhält es sich mit den Jahreszeiten. Wenn die unterbezahlten Regalpacker die ersten Lebkuchen stapeln, weiß ich: der Sommer ist bald vorbei.

Nicht anders ist es im Fall des Osterfestes:
Damit ist es amtlich. Das Ende des Winters naht. Es muss so sein, denn während Meterologen und Vögel regelmäßig daneben liegen und nach zu zeitiger Rückkehr aus südlichen Gefilden überraschend erfrieren, müssen es die Hersteller von Plüschhasen, Bermudashorts und Einweggrillgestellen besser wissen. Seit hunderten Jahren im Geschäft, wissen sie wie die Welt tickt. Oder die Natur richtet sich mittlerweile nach ihnen und verdient heimlich mit.

Freitag, 13. Februar 2009

Das Internet: millionen Fragen - eine Antwort?

Hast du schon gehört? Das Internet gibt es jetzt auch für Computer!
Was hat es mit diesem Internet nur auf sich? Klar scheint zu sein: Das Internet macht alles anders als es vorher anders war. Weniger klar: Was springt für uns dabei raus? Um dieser Frage nachzugehen müssen wir zuallererst verstehen wie das Internet funktioniert. Ich habe für die täglich hinzuströmenden unbefleckten 300.000 Neunutzer ein kleines Q&A mit allem Wissenswerten über das "World Wide Web" zusammengestellt:

1. Macht mich das Internet dumm?

Neuste Forschung hat ergeben: Ja!
[Anm.d.A.: Ich habe mich entschlossen alles weitere in Kurzfilmform anzufügen]

2. Jeder hat es! Wie kann ich dazugehören?



3. Was ist Web Zweikommanull?



4. Aber was bringt mir das nun?



Wie sich die Zeiten ändern. In den späten 80ern nehmen Kritiker an das Internet sei nur geeignet für Kommunikation unter Wissenschaftlern und Militärs. Es werde sich auf dem Markt nicht durchsetzen können. Die exponentielle Verbreitung von Internetanschlüssen widerlegt sie nur wenige Jahre später. Ihre Nachfolger Mitte der 90er argumentieren das Internet sei nichts weiter als das übliche Hin- und Herschieben von Informationen. DSL und Internetpornographie widerlegen sie nur wenige Jahre später.

Heute wird behauptet das Internet sei eine gigantische Maschine, deren einzige Funktion darin bestehe Pornographie jeder nur erdenklichen Art sekundenschnell üben den gesamten Erdball zu verbreiten. Nun, ähm... ich bin gespannt ob wir bald schlauer sein werden.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Ein kleiner Exkurs in die Mediengeschichte


Mir ist soeben folgende Geschichte untergekommen: Bildblog ändert auf Wikipedia den etwas aus dem Ruder laufenden Namen des zukünftigen deutschen Wirtschaftsministers (aktuelle Kurzform: Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg). BILD und andere schreiben ab. Aufkeimende Zweifel an der Änderung werden in der Wikipedia-Gemeinde mit Hinweis auf die Medienberichterstattung weggewischt. Mittlerweile stellt sich der Minister in spe schon selbst mit dem überflüssigen Vornamen vor.

Ein exzellentes Beispiel dafür wie Medien Wirklichkeit produzieren - und das nicht zu ihrem Besten. Ich rieche die Kulturkritik und Medienschelte schon um die Ecke kommen. Aber war "früher" wirlklich alles besser?


Ein kleiner Exkurs in die Mediengeschichte


Am Anfang

Alle News wurden von Gott ausgerufen. Die Öffentliche Meinung wurde zwischen Adam und Eva ausgehandelt. Der Ton, zuvor meistens eher unkritisch, änderte sich erst als Gott Gebühren einführte.

Antike

Nachrichten mussten mit Boten geschickt werden, die sich den Inhalt dann entweder merken oder auf einer schweren Steintafel durch ägyptische Wüsten und über die griechische See schleppen mussten. Die Auflage betrug meistens Eins (für den Sonnenkönig oder aktuell herrschenden Tyrannen). Falls die Nachricht anschließend auf dem Marktplatz verlesen wurde, konnten Kritiker mit der Granittafel mundtot gemacht werden.

Mittelalter

Es gab ausreichend Dokumente und Archive, nur musste der mitteleuropäische Journalist zur Recherche jedes mal ins Kloster. Da diese nicht gerade für bequeme Erreichbarkeit bekannt waren und auf dem Weg allerhand Banditen und Zollbeamte lauerten, blieben die meisten daheim und erfanden ihre Geschichten selbst. Als Folge dominierten Hexen, sprechende Wölfe, essbare Häuschen, Mord und Vergewaltigung die Berichterstattung.

Moderne

Gutenberg erfindet den Buchdruck und Print wird nach nur 200 Jahren zum Massenmedium. Gebildete weiße Männer verhandeln in den Kaffeehäusern und Salons Europas Politik, Vernunft und Wahrheit. Die Auflagen sind gut. Frauen halten den Herd warm. Zeitungen gibt es mehr als man lesen kann, aber im Grunde schreiben alle von Kant, Mill und Voltaire ab. Das führt dazu, dass für die nächsten 200 Jahre alle an Fortschritt, liberale Demokratie, und Freihandel glauben.

Post-/Hyper-/Reflexive-/Spät-/Zweite-Moderne

Die meisten glauben immer noch an Wissenschaft, Fortschritt und Marktwirtschaft - solange es im Fernsehen läuft. Vera am Mittag ersetzt das französische Kaffeehaus. Die Frage nach den Kosten für Silikonimplantate läuft der Suche nach Gott den Rang ab. Zeitungen gibt es nur noch aus Prestigegründen.

Manche Journalisten versuchen vom Fernsehen abzuschreiben. Mit gigantischen Überschriften, seitenfüllenden Fotomontagen und der Agenda von Vera am Mittag können Verlage den drohenden Kollaps aufhalten. Unterdessen geben postmoderne Philosophen den Wahrheits- und Wirklichkeitsbegriff auf. Ihre Lektüre wird in einigen Redaktionen verbindlich.

Heute (?)

Das Internet widerlegt postmoderne Theorien. Wahr ist das was auf Wikipedia steht. Wirklichkeit sind die Teile davon die Journalisten ohne Gewissensbisse zitieren können. Zeitungen kommen jetzt nur noch kostenlos mit der Post und informieren über die Wurstpreise bei LIDL. Fernseher sind flacher und verbreiteter als jemals zuvor. Sie verdrängen damit erfolgreich den Klang des Aquariums als beliebtestes Hintergrundrauschen für Zuhause.

Nachrichten liest man auf Blogs. Die Öffentlichkeit richtet ihre Aufmerksamkeit auf Themen die ihrer Lebenswelt besser entsprechen als die Produkte der konventionellen Medien. Berichtet wird vor allem über Technik-Gadgets, neue Web 2.0 Startups, Blogging, Meta-Blogging, Blog Economy und Filesharing.

Die Zukunft

Experten vermuten, dass Probleme wie globale Erwärmung, Krieg, Hunger und Völkermord durch geringes Öffentlichkeitsinteresse bis 2020 endgültig ausgelöscht sein werden. Zuvor entfernt Wikipedia aus Speicherplatzgründen selbige Themen aus der Datenbank. In einem wikikratischen Volksentscheid wird die Löschung verfügt, um die nötigen Kapazitäten für eine detailiere Aufschlüsselung jeder bisher ausgestrahlten CSI-Episode freizuräumen.