Sonntag, 7. Juni 2009

Happy Faces for Happy People

Stadtrat Dresden? Da fällt die Wahl nicht schwer. Schließlich geht es um Vertrauen und Kompetenz -- um Persönlichkeiten, denen man nicht nur einen Gebrauchtwagen abkaufen würde, sondern die Geschicke der Stadt anvertrauen kann. Hier sind sie also, die Gesichter der Demokratie: Werner Succolowsky und Peter Berauer (ist sogar auf Facebook).

Der eine steht für soziale Sicherheit (auch in Ostpreußen), der andere überzeugt mit reiner Sympathie. Klevere Strategie der DSU auf "Personalisierung des Wahlkampfes" zu setzen, wenn man zwei so glamouröse Zugpferde im eigenen Stall stehen hat. Da müssen sich die etablierten Parteien erstmal vor die Tür trauen, mit ihren schmucklosen Jugendlichen, Frauen und Türken.

Wäre ich momentan in meinem alten Bezirk wahlberechtigt, meine Entscheidung stünde fest. Beide erinnern mich irgendwie an meinen früheren Nachbarn, den netten Herr Kernert aus dem ersten Stock. Gelegentlich lauerte er mir am Briefkasten auf, nur um "hallo" zu sagen (ich kann mir nicht vorstellen, dass ein 78 Jähriger tatsächlich immer um die selbe Zeit wie ich Post holt). Ich erinnere mich noch an eine unserer Plaudereien als wäre es gestern gewesen: "Na, wieder diese Schmutzhefte im Briefkasten?", höre ich es hinter mir schnaufen, noch bevor ich meine Einkaufstüten aufheben kann. "Nein Herr Kernert, lassen sie sich von dem Titelbild nicht täuschen. Das ist nur der SPIEGEL. Die müssen schließlich auch Geld verdienen." Meistens gelang es Herr Kernert mich innerhalb der nächsten 30 Sekunden in ausufernde Gespräche über Zeiten zu verwickeln, die selbst er unmöglich bewusst miterlebt haben kann.

Gerade in den Wochen vor der Stadtratswahl waren die Themen klar festgelegt. Seine Meinung auch. Er fände es nicht richtig, dass wir immernoch so viel Geld an "die Neger" zahlten. Schließlich habe man zur Kolonialzeit bereits genug Gutes "da unten" getan. Vielleicht hätte ich ihm besser sagen sollen, dass sächsische Kommunen keine Entwicklungshilfe leisten. Aber seiner Entrüstung hätte das ohnehin keinen Abbruch getan. "Da bringt man den Wilden Kultur und Technik - und was ist der Dank dafür?" Ich nicke verlegen, aus Mitleid. Herr Kernerts Gesicht strahlt. "Es wäre ja später noch was mit denen und den anderen da geworden." Natürlich nur, wenn Hitler nicht den Zweifrontenkrieg riskiert hätte. "Ich habe schon immer gesagt das war ein Fehler gewesen. Genau wie das mit den Juden!", brabbelt er in seinen Schnauzer. Man hätte letztere ja auch einfach "dahin abschieben können wo sie hergekommen sind".

Zu diesem Zeitpunkt beginnen Tiefkühlpizza und Chicken Wings in den Einkaufstüten zu tropfen. Da klopft mir Herr Kernert kameradschaftlich auf die Schulter. "Sie sind in Ordnung! Anständig. Nicht wie diese linken Chaoten." Ich danke meinem Nachbarn für die warmen Worte und verabschiede mich. "Am Sonntag DSU wählen!", höre ich seine Stimme noch hinter mir im Treppenhaus hallen. Was für ein netter Herr. Vielleicht hätte ich ihn bitten sollen im Sommer meine Blumen zu gießen und die Post reinzubringen. Ich denke ihm kann man vertrauen. Gefreut hätte er sich bestimmt auch.

Mein Dank für die Fotos geht an h-master! Ich hoffe einige der Plakate werden noch hängen, wenn ich wieder da bin.

6 haben auch 'ne meinung:

aar hat gesagt…

Tja, da gefallen mir die Bilder der "MLPD" mit ihrer sozialistischen Kunst mehr...die rote Flagge in der Faust macht schon mehr her *hust

izzy hat gesagt…

tut mir leid, aber ich hätte dir mehr photoshop-geschick zugetraut. das sieht man doch sofort, dass du das bild von honecker einfach nur da reingepastet und dann einen unsinnigen text hinzugefügt hast! "Natürgrün nicht Rot-Grün Für soziale Sicherheit!" ja, klar!

mr.plow hat gesagt…

manchmal ist die wirklichkeit absurder als jede photoshop montage...

Ciffi hat gesagt…

Kann es sein, dass Du beim Gespräch mit Deinem ehemaligen Nachbarn das stilistische Mittel der Hyperbolik benutzt hast? Soviele Klichees kann ein 78jähriger doch gar nicht bedienen. XD

mr.plow hat gesagt…

hey, er hätte ja auch den holocaust leugnen und den führer loben können! selbst unter sozialwissenschaftern soll es leute geben die "gar nicht verstehen was am kolonialismus so schlecht gewesen sein soll". ich denke alles in allem war herr kernert auf unserer seite.

Robert hat gesagt…

Immerhin, er hat indirekt den Führer kritisiert - das nenne ich Zivilcourage!

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