Donnerstag, 5. März 2009

New School for Social Research und Angela Merkels Kampf für die Freiheit


Foto: dpa.


Die New School for Social Research hat Angela Merkel for einigen Tagen die Ehrendoktorwürde für einen bislang zu wenig gewürdigten Aspekt ihres Engagements verliehen. Ihr Verdienst ist es im Osten gelebt zu haben.

Kurze Rückblende: die früher "University in Exile" genannte New Yorker Bildungseinrichtung nahm 1933 zahlreiche Europäische intellektuelle Flüchtlinge wie Claude Lévi-Strauss, Hannah Arendt und Erich Fromm auf. Sie und andere fanden einen sicheren Hafen vor der Verfolgung durch Nazideutschland. Ein einflussreiches Bollwerk Europäischen Denkens auf dem Amerikanischen Kontinent war geschaffen. Auch wenn sich der ehemals links-elitistische Zirkel zur umfassenden Universität im Amerikanischen Stil gewandelt hat, hält die New School ihre Erbe--kritisch, unorthodox, international--auch heute noch gerne hoch.

Was könnte es da passenderes geben als zur Feier des 75-jährigen Bestehens Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ehren und das Band zum alten Europa zu erneuern. Merkel und die University in Exile haben schließlich vieles gemeinsam.

Die Exilintellektuellen fanden sich 1933 sich plötzlich als Verfolgte in einem autoritären Regime wieder - sie mussten fliehen. Merkel erwachte im ähnlich repressiven System der DDR und ... blieb zuhause.

Die Exilintellektuellen wurden aufgrund ihrer kritischen Haltung und jüdischen Herkunft ihrer akademischen Positionen enthoben. Merkel machte Karriere in theoretischer Physik.

Die Exilintellektuellen mussten im Widerstand um ihr Leben fürchten. Vielen drohte die Vergasung im KZ. Merkel hat zumindest kritisch zugesehen als unliebsame Zeitgenossen abgeholt wurden.

Die Exilintellekutellen nutzten ihre Erfahrungen im Nationalsozialismus um gesellschaftskritische Positionen zu entwickeln. Sie kämpften gegen Monokulturalismus, Nationalismus und Kapitalismus. Merkel trat nach der Wiedervereinigung in die CDU ein.

Die Geschichte der University in Exile ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Glauben an die Kraft der Freiheit. Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen wie kaum ein anderes Land auf der Welt genau dafür. In Deutschland haben wir nach dem Zivilisationsbruch der Shoa und, in einer anderen Weise, auch der SED-Diktatur in der DDR in besonderem Maße erfahren, wie wertvoll Freiheit, Menschenwürde und Demokratie sind. (Merkel)
Darauf kann man sich einigen. Schließlich sind Merkel und die jüdischen Exilanten von einem Schlag. Quasi gemeinsam sind sie durch das Fegefeuer von Unterdrückung und Entwürdigung gegangen. So war das damals.

Vielleicht sollte ich gegenüber der Universitätsleitung erwähnen, dass auch ich meine frühen Jahre im Widerstand gegen Erich verbracht habe. Hätte ich damals meine Fahrerlaubnis gehabt, wäre ich ganz sicher geflohen. Überhaupt soll ich schon als Kind in meiner unschuldigen Naivität öffentlich Regimekritik geäußert haben - vor allem im Hinblick auf die lustige Stimme des Parteidespoten.

So ein Ehrendoktortitel würde Zeit und Geld sparen. Merkel hat doch eh schon einen. Vielleicht lässt sich mit Bob Kerry noch verhandeln?

5 haben auch 'ne meinung:

izzy hat gesagt…

wer ist denn der trollartig-gnubbelige mann auf dem bild?

Anonym hat gesagt…

Bob Kerry, the president of the New School.

ich hat gesagt…

er ist weniger lieb als er schaut: http://nymag.com/news/features/54685/

h-master hat gesagt…

> Moment, nicht so hastig:

> "The New York-based university granted Angela Merkel the honorary degree in recognition of her political achievements in the wake of German reunification"

> Lt. wikipedia hat Merkels Wendesekte "Demokratischer Aufbruch" 0,9% bei der ersten freien Volkskammerwahl erhalten und damit den demokratischen Kräften > entscheidend zum Durchbruch verholfen. Wer weiß - ohne diese 0,9% wär vielleicht der Erich nochmal zurückgekommen!

Robert hat gesagt…

Es gibt natürlich noch zahlreiche weitere Gemeinsamkeiten: Die Angehörigen des Volkes Israel wurden gezwungen, gelbe Aufnäher (sogenannte Judensterne) zu tragen, Merkel musste sich nach ihrem Eintritt in die FDJ ein rotes Pionierhalstuch umbinden. Die Ehrung ist also auf jeden Fall gerechtfertigt.

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